Flasche The Chocolate Block mit einem Glas Rotwein auf einem Eichenfass im Weinkeller

15 Fässer und eine Schnapsidee: Wie der Chocolate Block entstand und wie er bis heute gemacht wird

29. Oktober 2026KAPWEINE Redaktion

Boekenhoutskloof, Swartland

London, 2000: Ein Name ohne Wein

Am Anfang stand kein Wein, sondern ein Name. Im Jahr 2000 ist Marc Kent, Winzer bei Boekenhoutskloof in Franschhoek, an einer grossen Degustation von Wines of South Africa in London. Tony Allen vom britischen Weinhändler Oddbins schlägt ihm vor, eine Eigenmarke für Oddbins zu machen, und die solle The Chocolate Block heissen.

Ganz so verrückt war die Idee also nicht, ein Händler wünschte sich schlicht eine eigene Marke. Nur passte das Projekt nicht zu Boekenhoutskloof, und daraus wurde nichts. Was blieb, war der Name. Kent bekam ihn nicht mehr aus dem Kopf.

Roussillon, 2001: Der Wein zum Namen

Ein Jahr später fand der Name seinen Wein. Kent reiste mit seinem damaligen Assistenten Rudiger Gretschel durch das Roussillon im Süden Frankreichs und blieb an einer Sache hängen: Die Winzer dort verschnitten Cabernet Sauvignon mit Syrah und Grenache.

Notizbuch, Rotweingläser und dunkle Trauben auf einem Holztisch im Süden Frankreichs

2002 entstand in Franschhoek der erste Jahrgang. Zu Syrah, Grenache und Cabernet kamen Cinsault und ein Tropfen Viognier, die fünf Bausteine des Weins bis heute. Die Trauben kaufte Kent dort, wo er die Qualität fand: Syrah, Viognier und Cinsault in Wellington, Cabernet in Malmesbury, Grenache aus einer alten Parzelle in Citrusdal. Am Ende lagen 15 Fässer im Keller.

Oddbins überliess Boekenhoutskloof den Namen und erhielt dafür die Exklusivität in Grossbritannien für diesen ersten Jahrgang. Das minimalistische Etikett entwarf Anthony Lane, der seit jeher die Etiketten des Hauses gestaltet. Und warum Schokolade? Jancis Robinson deutete den Namen beim Jahrgang 2003 so, dass der Wein reichhaltig und ein wenig süsslich wirken soll.

Ein Rezept, das jedes Jahr neu geschrieben wird

Ein festes Rezept gibt es nicht. Die fünf Sorten bleiben, ihre Anteile ändern sich mit jedem Jahrgang. Syrah ist das Rückgrat, Grenache bringt Fruchtreinheit, Cinsault florale Noten und reife Erdbeere.

Wie stark das variiert, zeigt der Dürrejahrgang 2017. Die Erträge fielen wie schon im Vorjahr deutlich tiefer aus, und das Team setzte auf mehr Grenache und Cinsault: 64 Prozent Syrah, 14 Prozent Grenache, 11 Prozent Cinsault, 10 Prozent Cabernet Sauvignon und 1 Prozent Viognier. Der 2023er dagegen kommt auf 74 Prozent Syrah, 11 Prozent Grenache, 8 Prozent Cabernet Sauvignon, 6 Prozent Cinsault und 1 Prozent Viognier.

Chefwinzer Gottfried Mocke erzählt, dass schon beim Boekenhoutskloof Syrah im Schnitt 50 Parzellen zusammenkommen, und der Chocolate Block bestehe aus vielen Parzellen. Das letzte Wort hat bis heute Marc Kent: Kein Wein aus dem Haus wird ohne seine Freigabe abgefüllt.

Vom Swartland in den Helderberg-Keller

Lange kamen die Trauben aus verschiedenen Ecken des Western Cape. Dann übernahm Boekenhoutskloof die Farm Porseleinberg im Swartland und pflanzte ab 2009 in grossem Stil Reben, betreut von Callie Louw, Rebbauer und Winzer in einer Person. 2015 fiel der Entscheid, den Chocolate Block als Wine of Origin Swartland zu führen, damit das Weingut den Grossteil der Trauben selbst bewirtschaften kann. Tim Atkin nennt als wichtigste Lagen Goldmine und Porseleinberg. Ein grosser Teil der Trauben stammt bereits aus biologischem Anbau.

Alte Buschreben auf Granit- und Schieferboden im Swartland im Abendlicht

Ebenfalls 2009 kaufte Boekenhoutskloof in Stellenbosch die alte Helderberg-Kellerei, eine ehemalige Genossenschaft. Hier werden die Trauben heute als ganze Beeren in Beton und Stahl vergoren, spontan und ohne Zusätze, und reifen danach 12 bis 14 Monate in gebrauchten Barriques. Noch beim Jahrgang 2020 lagen Teile in grossen Foudres mit 2'500 Litern, und einzig der Cabernet bekam neue Eiche.

Schokolade ist keine drin

Aus 15 Fässern wurden beim 2021er 3'349 Fässer, über eine Million Flaschen für 65 Märkte, beim 2023er weist das Etikett rund 4'000 Fässer aus. Für Kent ist genau das die Kunst: Ein paar Fässer guten Wein zu machen sei einfach, die Herausforderung liege bei Hunderten.

Die Menge bringt dem Wein unter südafrikanischen Kennern bisweilen das Etikett "kommerziell" ein. Der Weinjournalist Tim James verkostete 2023 alle 20 bis dahin erschienenen Jahrgänge und fand keinen einzigen Ausreisser, dafür eine deutliche Steigerung der Qualität, vor allem im letzten halben Jahrzehnt.

Und die Schokolade? Drin ist keine, im Glas taucht sie trotzdem auf. Das Weingut beschreibt beim 2020er Kakaonibs und Milchschokolade im Abgang, Tim James fand beim 2021er einen Hauch dunkler Schokolade.

Wer selbst nachschmecken möchte, wie verschieden die Jahrgänge ausfallen, stellt einen jungen Chocolate Block neben den 2017er. Ein schönerer Beweis, dass es kein festes Rezept gibt, passt kaum in zwei Gläser.

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