Südafrikas Frauentag und die Frauen, die den Weinbau verändern
Am 9. August feierte Südafrika den Nationalen Frauentag, ein Datum mit einer bewegenden Geschichte. Heute erinnert er nicht nur an mutige Frauen von damals, sondern auch an jene, die den südafrikanischen Weinbau heute massgeblich mitprägen.
Dieser Tag ist in Südafrika weit mehr als ein gewöhnlicher Feiertag. Er erinnert an einen der eindrücklichsten Momente im Kampf gegen die Apartheid und erzählt zugleich eine Geschichte, die bis in die Weinberge des Kaps hineinreicht.
Ein Marsch, der Geschichte schrieb
Am 9. August 1956 zogen rund 20'000 Frauen aller Hautfarben zu den Union Buildings in Pretoria. Ihr Ziel: eine Petition gegen die sogenannten Passgesetze, die schwarzen Südafrikanerinnen und Südafrikanern das freie Bewegen im eigenen Land verboten.
Angeführt wurde der Marsch von vier Frauen, Lilian Ngoyi, Helen Joseph, Rahima Moosa und Sophia Williams-De Bruyn, organisiert von der Federation of South African Women.
Die Petition wurde von der damaligen Regierung ignoriert, doch der Protest ging als Symbol für Widerstand und weibliche Solidarität in die Geschichte ein. Bekannt wurde dabei ein Satz, der bis heute nachhallt: "Wathint' abafazi, wathint' imbokodo", zu Deutsch etwa "Du hast die Frauen angerührt, du hast einen Felsen berührt".
Seit 1995 erinnert der Nationale Frauentag jährlich an diesen Tag und an die Kraft, die Frauen in entscheidenden Momenten der südafrikanischen Geschichte bewiesen haben.

Von Widerstand zu Weinbergen
Dieser Geist der Beharrlichkeit findet sich heute an einem Ort wieder, an dem man ihn vielleicht nicht sofort erwartet: in den Weinbergen des Westkaps. Der südafrikanische Weinbau war über Jahrzehnte eine von weissen Männern geprägte Welt. Das ändert sich zunehmend, und einige Frauen haben dabei Massstäbe gesetzt.
Ntsiki Biyela etwa gilt als erste schwarze Winzerin Südafrikas. Über ein Stipendium fand sie den Weg in die Kellerei und gründete später ihr eigenes Label, mit dem sie internationale Anerkennung erlangte. Auch Carmen Stevens ging einen ähnlichen Weg: 2011 gründete sie ihr eigenes, mehrfach ausgezeichnetes Weingut, nachdem sie sich in einer männerdominierten Branche als eine der ersten schwarzen Winzerinnen des Landes durchgesetzt hatte. Praisy Dlamini wiederum steht hinter der HER Wine Collection, Südafrikas erster vollständig von schwarzen Frauen geführten Weinmarke, die zugleich Stipendien für junge Frauen aus landwirtschaftlichen Gemeinden vergibt und so die nächste Generation fördert.

Initiativen wie Women in Wine, gegründet von rund 20 Fachfrauen aus verschiedenen Bereichen der Weinbranche, oder das Mentoring-Programm der Cape Winemakers Guild zeigen, wie sich Strukturen langsam, aber sichtbar verändern. Heute stehen Frauen als Chefwinzerinnen, Kellermeisterinnen und Unternehmerinnen an vorderster Front, Positionen, die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum denkbar waren. Gleichzeitig bleibt viel zu tun: In der renommierten Cape Winemakers Guild sind aktuell nur vier von deutlich mehr Mitgliedern Frauen, ein Hinweis darauf, dass der eingeschlagene Weg noch lange nicht zu Ende ist.
Ein Erbe, das weiterlebt
Was den Marsch von 1956 und die Frauen im heutigen Weinbau verbindet, ist derselbe Wille, sich Raum zu nehmen, der einem lange verwehrt blieb. Genau diese Geschichten, von Widerstand, Aufbruch und Beharrlichkeit, machen Südafrika als Weinland so besonders. Wer eine Flasche südafrikanischen Wein öffnet, öffnet damit auch ein kleines Stück dieser Geschichte.
Bei Kapweine ist es uns eine Freude, diese Vielfalt an Menschen und Geschichten in unsere Auswahl einfliessen zu lassen. Denn südafrikanischer Wein erzählt immer mehr als nur von Trauben und Terroir, er erzählt auch von den Menschen, die ihn möglich machen.
Wenn du mehr zu den Power Frauen in der Wein-Branche wissen möchtest, empfehlen wir dir den diesjährigen Weltfrauentag-Beitrag. Hier mehr erfahren ->