Van Loveren: Gross geworden, familiär geblieben

Van Loveren: Gross geworden, familiär geblieben

23. September 2026Kapweine

Seit 1937 in einer Hand: wie aus einer Farm im Robertson Valley eines der grössten Weinunternehmen Südafrikas wurde

Wer von Robertson Richtung Bonnievale fährt, erkennt die Einfahrt schon von weitem an den Reihen scharlachroter Cannas entlang der Strasse. Dahinter liegt eine Farm, die seit 1937 derselben Familie gehört und die in dieser Zeit einen Weg gegangen ist, den in Südafrika kaum ein zweites Weingut vorweisen kann: von 500 Kisten Wein hin zu einem Unternehmen, das heute rund 1'400 Hektar bewirtschaftet und trotzdem von vier Cousins geführt wird, die alle denselben Nachnamen tragen. Van Loveren kommt neu ins Kapweine Sortiment.

Eine Farm namens Goldmine

Angefangen hat alles mit einem Stück Land, das eigentlich Goudmyn F hiess. Der Name Goudmyn, afrikaans für Goldmine, stammte von einem Vorbesitzer, dem die Nachbarn nachsagten, er habe für das Land bezahlt, als hätte er eine Goldmine erworben. Später wurde die Farm in Teile aufgeteilt, und 1937 kaufte der Vater von Hennie Retief senior seinem Sohn den Teil F.

1939 heiratete Hennie die Lehrerin Jean van Zyl aus dem Nachbarort Ashton, und Jean störte sich sofort am Buchstaben F. Für sie stand er für "fools and failures", für Narren und Fehlschläge. Sie überzeugte ihren Mann, die Farm umzubenennen. Zur Diskussion stand zuerst Roche Rouge, nach dem roten Bergrücken des Elandsberg, der hinter dem Haus aufragt. Jean setzte sich mit einem anderen Vorschlag durch: Christiena van Loveren, eine Vorfahrin von ihr, die 1699 aus Holland ans Kap gekommen war. Deren Brautkiste war über Generationen weitergereicht worden und steht bis heute auf der Farm. Viele Jahre später hat Jean übrigens eingeräumt, das F könne auch für "friendship and flowers" stehen.

1980, der erste eigene Wein und eine Flut

Bis in die späten 1970er Jahre lieferte die Familie ihre Trauben ab, wie fast alle im Tal. Dann begannen die ersten Farmer in Robertson, unter eigenem Namen abzufüllen, und Jeans Söhne Nico und Wynand wollten dasselbe. 1980 war es so weit, lanciert wurde die Marke am 67. Geburtstag ihres Vaters.

Der Anfang war unspektakulär. 500 Kisten Premier Grand Cru wurden abgefüllt, und es dauerte ein volles Jahr, bis 400 davon verkauft waren. Die letzten 100 Kisten hat die Familie nie verkauft: 1981 lief bei der Laingsburg-Flut der Kogmanskloof-Fluss direkt durch den Keller. Der erste Degustationsraum war ein Rondawel, umgebaut aus einem Milchschuppen. Wer heute im Bistro sitzt, sieht davon nichts mehr, die Geschichte erzählen sie auf der Farm aber immer noch gern.

Vier Cousins, vier Aufgaben

In den 1990er Jahren stieg die dritte Generation ein: Nicos Söhne Bussell und Hennie, Wynands Söhne Phillip und Neil. Vier Cousins, die sich die Arbeit bis heute klar aufteilen. Hennie und Neil verantworten die Reben, Bussell den Keller, Phillip die kommerzielle Seite und die Geschäftsführung.

Das klingt banaler, als es ist. Familienbetriebe scheitern selten an den Weinen und oft an der Frage, wer entscheidet. Bei Van Loveren funktioniert das Modell über geteiltes Eigentum und klar getrennte Zuständigkeiten, ohne dass einer den anderen überstimmen muss. Aus dieser Konstellation heraus entstand im Jahr 2000 eine günstige Zweitmarke, die sich zum meistverkauften abgefüllten Wein Südafrikas entwickelte und die Basis für alles legte, was danach kam.

Wachsen, ohne die Familie zu verlieren

Seither ist Van Loveren in eine Grössenordnung hineingewachsen, die man dem Betrieb bei einem Besuch nicht ansieht. 2025 kamen die Produktionsanlagen von Overhex sowie Mehrheitsbeteiligungen an Neil Ellis, Landskroon und Survivor dazu, neben Marken wie Zandvliet, Christina, Tangled Tree oder Rhino Run. Exportiert wird in rund 70 Länder.

Phillip Retief beschreibt die Familie als Bauern im Herzen, die mit der Zeit auch zu Markenspezialisten geworden sind. Sichtbar wird das an Entscheidungen, die im südafrikanischen Weinbau lange als unüblich galten: Süssweine in 1,5-Liter-Flaschen, eine Range in leichten PET-Flaschen, eine eigene Linie mit reduziertem Alkoholgehalt. Dazu kommen Entwicklungspartnerschaften, über die Farmarbeiter Eigentum an einzelnen Farmen erhalten und selbst unternehmerisch tätig werden, abgesichert durch langfristige Abnahmeverträge.

Zwölf Lagen und die Arbeit an den Rotweinen

Wer so viel Wein macht, muss sich die Frage nach der Qualität gefallen lassen. Van Loveren beantwortet sie seit 2017 mit einem Programm, das gezielt auf die Rotweine zielt. Aus der gesamten Rebfläche hat das Team zwölf besonders wertvolle Lagen herausgearbeitet, die seither laufend weiterentwickelt werden. Deren Trauben heben laut Neil Retief das Niveau jeder Cuvée, in die sie einfliessen. Dazu kam der Kauf einer Toplage, deren Früchte den Spitzenweinen zusätzliches Profil geben sollen.

Die Bereitschaft, im Rebberg Neues auszuprobieren, hat bei Van Loveren Tradition. Der Betrieb war der erste in Robertson, der ein Erziehungssystem an Einzelpfählen einführte, um die Traubenqualität zu verbessern.

Robertson: Kalk, Hitze, kühle Nächte

Das Robertson Valley liegt rund 160 Kilometer östlich von Kapstadt, eingefasst von den Bergketten Langeberg und Riviersonderend, und gehört zur Region Breede River Valley. Die Tage sind heiss und trocken, die Nächte kühl, und der Unterschied dazwischen ist der Grund, warum die Trauben hier Frische behalten. Regen fällt wenig, der Breede River ist die Lebensader des Tals.

Das Besondere sind die kalkhaltigen Böden, im südafrikanischen Weinbau eine Seltenheit. Sie geben besonders den Weissweinen eine kreidige Spannung. Robertson ist deshalb historisch als Weissweingebiet gewachsen, gilt als Zentrum der Méthode Cap Classique in Südafrika und als Heimat des Muscadel. Mit dem warmen Klima haben sich in den letzten Jahrzehnten auch Shiraz und Cabernet Sauvignon etabliert, was gut erklärt, warum Van Loveren gerade jetzt in die Rotweine investiert.

Ein Garten, der Geschichte erzählt

Jean Retief hat 1939 begonnen, rund um das Wohnhaus einen Garten anzulegen, und seither pflanzt die Familie Bäume zu Anlässen: Geburten, Hochzeiten, aber auch historische Ereignisse wie das Ende des Zweiten Weltkriegs oder das Ende der Apartheid. Auf der Farm liegt eine Broschüre auf, die einzelne Bäume und ihre Geschichten erklärt. Ein Garten als Familienarchiv, das man abschreiten kann.

Der Empfang von Gästen war für Van Loveren von Anfang an kein Nebenschauplatz, sondern ein eigener Pfeiler, allerdings mit der Bedingung, dass er sich selbst trägt. Heute gehören Degustationen, Gartenführungen und ein Bistro dazu. Für ihre Arbeit an der eigenen Klimabilanz hat die Farm von Blue North Sustainability die Auszeichnung Carbon Hero erhalten, im Rahmen der Initiative Confronting Climate Change.

Neu bei Kapweine

Van Loveren bringt eine Handschrift ins Sortiment, die es so noch nicht gab: Weine aus kalkhaltigem Robertson-Boden, gemacht in einem Betrieb, der gross genug für Konstanz und familiengeführt genug für Eigensinn ist. Das Spektrum reicht von unkomplizierten Weinen für den Alltag bis zu Abfüllungen aus den ausgewählten Lagen, und beides kommt aus demselben Keller, in dem die dritte Generation seit über dreissig Jahren arbeitet.

Wer Südafrika bisher vor allem über Stellenbosch oder das Swartland kennt, findet hier eine andere Seite des Kaps. Eine, die nach Kalk, Hitze und kühlen Nächten schmeckt, und die eine Familie seit fast neunzig Jahren erzählt.

Die Weine von Van Loveren bei Kapweine

Wer nach dieser Geschichte Lust bekommen hat, die Familie auch im Glas kennenzulernen, wird im Kapweine Sortiment fündig. Für den Rotwein-Alltag eignen sich der fruchtbetonte The Coffee Pot Pinotage und der etwas kräftigere African Java Pinotage. Wer es prickelnd mag, greift zum Papillon Mimosa, und für alle, die auf Alkohol verzichten möchten, ohne auf Genuss zu verzichten, gibt es mit dem Absolute Zero Brut und dem Absolute Zero Nectar gleich zwei alkoholfreie Schaumweine aus demselben Keller.

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