Der 24. September heisst in Südafrika offiziell Heritage Day. Inoffiziell heisst er Braai Day. Zwischen beiden Namen liegt die Geschichte eines Landes, das nach Gemeinsamkeiten gesucht hat.
Am Donnerstag, dem 24. September 2026, steht Südafrika still. Es ist Feiertag, im Frühling der Südhalbkugel, und in Kapstadt, Johannesburg und Durban brennen an diesem Tag in unzähligen Gärten, auf Plätzen und vor Metzgereien die Feuer. Auch in London, Toronto und Sydney, überall dort, wo Südafrikanerinnen und Südafrikaner leben. Der Feiertag heisst offiziell Heritage Day. Vielerorts hat sich daneben der informelle Name Braai Day durchgesetzt.
Der 24. September gehörte zuerst einem König
Vor 1995 war dieses Datum eine Angelegenheit von KwaZulu-Natal. Dort wurde der 24. September als Shaka Day begangen, zum mutmasslichen Todestag des Zulu-Königs Shaka im Jahr 1828. Shaka hatte in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die verstreuten Nguni-Clans zu einer Zulu-Nation zusammengeführt, und jedes Jahr versammelten sich Menschen an seinem Grab in KwaDukuza, um ihn zu ehren.
Als das neue, demokratisch gewählte Parlament nach den ersten freien Wahlen die Liste der Feiertage festlegte, fehlte der 24. September darauf. Die Inkatha Freedom Party, eine Partei mit grosser Zulu-Mitgliedschaft, protestierte. Das Datum war für ihre Wählerschaft zu bedeutsam, um es zu streichen.
Ein Kompromiss, der allen gehören sollte
Statt den Konflikt auszutragen, einigte sich das Parlament auf eine Lösung, die den Charakter des jungen Landes zeigt. Das Datum blieb, aber sein Inhalt wurde geöffnet. Nicht mehr ein König und ein Volk, sondern alle kulturellen Herkünfte des Landes sollten an diesem Tag Platz haben. Am 24. September 1995 wurde der Heritage Day zum ersten Mal begangen, im Jahr nach den ersten demokratischen Wahlen und unter der Präsidentschaft von Nelson Mandela.

Die offizielle Definition von Erbe fiel dabei bewusst weit aus. Sie umfasst Kultur und Geschichte ebenso wie Tierwelt, Denkmäler, Kunst, Literatur, Musik, Sprachen und kulinarische Traditionen. Ein Feiertag, der heute zwölf Amtssprachen zusammenhalten muss, darunter seit 2023 auch die südafrikanische Gebärdensprache, kann sich keine Enge leisten.
2005 erfindet ein Mann aus Stellenbosch einen zweiten Feiertag
Zehn Jahre später kam die zweite Schicht dazu. Jan Scannell, ein gebürtiger Stellenboscher, kündigte 2005 seine Stelle im Finanzwesen und startete eine Medienkampagne mit einer einfachen These: Es gibt eine Sache, die praktisch alle Südafrikanerinnen und Südafrikaner tun, unabhängig von Sprache, Herkunft und Einkommen. Sie machen ein Feuer und garen Fleisch darüber.
Scannell trat fortan als Jan Braai auf und schlug vor, den 24. September zum National Braai Day zu erklären. Nicht als Ersatz für den Heritage Day, sondern als dessen praktische Umsetzung. Sein Argument: Die Iren haben den St. Patrick's Day, die Franzosen den 14. Juli, und Südafrika hat das Feuer.
Ein Erzbischof mit Schürze
Die Kampagne wäre vermutlich eine Marketingidee geblieben, hätte sie nicht am 5. September 2007 einen Fürsprecher bekommen, dem das Land zuhörte. Desmond Tutu, Erzbischof emeritus und Friedensnobelpreisträger, übernahm die Schirmherrschaft, band sich eine Schürze um und ass vor laufenden Kameras eine Boerewors.

Tutu argumentierte, dass so vieles das Land auseinanderziehe, dieses eine aber die Kraft habe, es zusammenzubringen. Es gebe elf offizielle Sprachen, sagte er sinngemäss, aber nur ein einziges Wort für den Braai, und dieses Wort sei in Xhosa, Englisch und Afrikaans dasselbe. Es war Tutu, der Südafrika Jahre zuvor als Regenbogennation beschrieben hatte, und genau diese Idee stand nun am Feuer.
Ende 2007 benannte sich die Initiative in Braai4Heritage um. Der National Heritage Council, der die Idee zunächst als trivialisierend abgelehnt hatte, sprach 2008 seine Unterstützung aus.
Nicht alle finden das gut
Es lohnt sich, die Gegenstimmen mitzuhören, weil sie zum Thema gehören. Kritikerinnen und Kritiker halten dem Braai Day vor, er überschreibe die eigentliche Bedeutung des Tages und mache aus einer Auseinandersetzung mit Geschichte ein kommerzielles Ereignis. Wer an einen Tag erinnert, der aus einem Streit über die Erinnerung an König Shaka entstanden ist, kann die Frage schwer beiseiteschieben, wessen Erbe hier gefeiert wird.
Beide Namen halten sich deshalb nebeneinander. Der offizielle Feiertag heisst weiterhin Heritage Day, das Department of Sport, Arts and Culture gibt jedes Jahr ein Thema vor, und parallel dazu brennen die Feuer.
Ein Wort, viele Feuerstellen
Wie unterschiedlich diese Feuer aussehen, zeigt schon die Sprache. In den Townships heisst der Braai oft shisa nyama, aus dem Zulu, wörtlich Fleisch verbrennen. Gemeint ist damit gleichzeitig die Zubereitung, die Runde ringsum und der Ort selbst: eine Metzgerei mit angeschlossener Feuerstelle, an der man sein Fleisch aussucht und direkt grillen lässt. Entstanden ist das Modell aus einer schlichten Geschäftsidee der Metzger für das Wochenende, geworden ist daraus ein Treffpunkt, an dem die Sitzordnung nicht nach Beruf und Herkunft fragt.

Auf vielen Weingütern der Kap-Region gehört das offene Feuer zum Hofbild, und in den Vorgärten von Wädenswil bis Winterthur steht am 24. September ebenfalls die eine oder andere südafrikanische Familie an der Glut.
Der Heritage Day funktioniert also genau so, wie er 1995 gedacht war. Er gibt kein Programm vor, sondern einen Termin. Was daraus wird, entscheidet jede Runde selbst.
Wer den 24. September dieses Jahr mit einem Glas begleiten möchte: In unserer Braai-Auswahl haben wir drei südafrikanische Rotweine zusammengestellt, die zu Rauch und Glut passen. Welcher davon zu welchem Fleisch gehört, steht in unserem Beitrag über Wein und Braai-Fleisch. Und wer das Feuer selbst richtig aufbauen will, findet die Technik in Braai ist kein Grillieren.
Der KAPWEINE Braai-Guide zum Mitnehmen
Alle drei Rezepte, die passenden Rotweine und die wichtigsten Braai-Tipps als PDF zum Herunterladen und Ausdrucken.
Braai-Guide herunterladen (PDF)Quellen
- en.wikipedia.org/wiki/Heritage_Day_(South_Africa)
- publicholidays.co.za/heritage-day
- awarenessdays.com – Heritage Day South Africa
- sahistory.org.za – Whose heritage is it anyway
- en.wikipedia.org/wiki/Regional_variations_of_barbecue
- welovesalt.com – Heritage Day South Africa
- en.wikipedia.org/wiki/Shisa_nyama
- southafrica.net – Shisa Nyama