Warum die besten südafrikanischen Weine erst nach Jahren ihr wahres Gesicht zeigen
Wer an junge Weinländer denkt, denkt selten an Geduld. Südafrika gilt vielen als Ursprung frischer, fruchtbetonter Weine, die man am besten innerhalb weniger Jahre trinkt. Doch dieses Bild ist überholt, und ein Beweis dafür liegt in manchem Keller bereits seit sechzehn Jahren: der Constantia Glen Five 2010. Wer einen südafrikanischen Wein zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahre liegen lässt, entdeckt darin oft ein ganz anderes Getränk, als es am Tag der Abfüllung war.
Was im Glas wirklich passiert
Reifen ist kein Verfall, sondern eine langsame Verwandlung. Die Tannine eines jungen Rotweins, jene griffigen, manchmal kantigen Strukturen, werden über die Jahre weicher und runder. Die kräftige Primärfrucht, die ein junger Cabernet oder Bordeaux-Blend mitbringt, tritt zurück und macht Platz für sekundäre und tertiäre Aromen wie Leder, Tabak und erdige Noten. Die Säure verändert sich dabei kaum in ihrer Menge, wird aber durch das Zusammenspiel mit dem Alkohol anders wahrgenommen, insgesamt integrierter und weniger spitz. Südafrikanische Rotweine der modernen Ära erreichen ihren Reifehöhepunkt meist nach rund zehn Jahren und bleiben danach noch einige Zeit auf einem Plateau ausgezeichneter Trinkreife.
Nicht jede Flasche eignet sich
Reifepotenzial ist keine Frage des Alters allein, sondern der Struktur. Cabernet-Sauvignon-Weine und Bordeaux-Blends verlangen tendenziell mehr Geduld als etwa Pinot Noir, während Merlot und Pinotage sich dazwischen einordnen. Bei Weissweinen sind es vor allem gut gemachter Chardonnay und Chenin Blanc, die über die Jahre gewinnen. Alte Chenin-Blanc-Reben aus dem Swartland und aus Stellenbosch entwickeln in ihren besten Ausprägungen Noten von Honig, Bienenwachs und Lanolin und können, je nach Erzeuger und Jahrgang, zehn bis zwanzig Jahre reifen. Was diese Weine verbindet, ist nicht ihre Herkunft, sondern eine kräftige Struktur aus Tannin, Säure oder beidem, die genug Substanz für die Reise mitbringt.
Der Beweis aus Constantia
Kein südafrikanischer Wein illustriert das besser als der Constantia Glen Five 2010. Die Cuvée aus fünf klassischen Bordeaux-Rebsorten, die dem Wein seinen Namen gibt, stammt vom gleichnamigen Weingut in Constantia, Südafrikas ältester Weinbauregion, wo kühle Atlantikbrisen den Trauben eine Frische verleihen, die man in südafrikanischen Rotweinen selten findet. Der Jahrgang 2010 ist ein Verschnitt aus 26 Prozent Cabernet Sauvignon, 26 Prozent Petit Verdot, 20 Prozent Merlot, 16 Prozent Cabernet Franc und dem Rest Malbec, vollständig in neuem französischem Eichenholz ausgebaut. Der Kritiker Robert Parker bewertete den Wein kurz nach der Freigabe mit 91 Punkten und beschrieb ihn als weicher und komplexer als den Vorgängerjahrgang, mit feinen Waldbodennoten aus dem Cabernet Sauvignon und einem harmonischen Abgang aus Zedernholz und Brombeere. Er hielt damals fest, der Wein werde von etwas Kellerzeit profitieren, heute, sechzehn Jahre später, zeigt sich, wie recht er damit hatte. Ein Jahrgang wie dieser gehört im KAPWEINE-Sortiment inzwischen zu den Buy Buy Raritäten.
Der eigene Keller

Wer selbst zu reifen beginnen will, braucht dafür keinen unterirdischen Gewölbekeller. Entscheidend ist eine konstante Temperatur zwischen 12 und 14 Grad, grössere Schwankungen schaden einem Wein mehr als eine leicht zu warme, aber stabile Umgebung. Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 60 und 70 Prozent liegen, das hält den Korken geschmeidig und verhindert, dass durch einen ausgetrockneten Verschluss Luft eindringt. Flaschen mit Korken gehören liegend gelagert, ein dunkler Standort schützt vor UV-Licht, das empfindliche Inhaltsstoffe schädigen kann. Ein ruhiger Kellerraum, ein Schrank in einer kühlen Nische oder ein Weinklimaschrank erfüllen diese Bedingungen meist ebenso gut wie ein professioneller Weinkeller.

Die Geduld lohnt sich. Wer heute einen strukturierten Chenin Blanc aus dem Swartland zur Seite legt, öffnet in einigen Jahren einen Wein, der mit einem jungen kaum noch etwas gemeinsam hat, ausser seiner Herkunft. In der KAPWEINE-Kollektion Gereifte Weine finden sich Weine, die genau diesen Weg schon gegangen sind oder gerade erst beginnen.
